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Blech ist cool!

Blech ist cool!

Uncool!

Als Teenager fand ich Blechblasen total uncool! Dazu fiel mir nur Dicke-Backen-Musik ein, und damit wollte ich nichts zu tun haben. Ich hätte gern in einer Band gespielt, aber ich war die Kleine Dicke, galt als Streberin und spielte klassisches Klavier.

An der Nordsee auf Klassenfahrt sprach ich mit einem Jungen aus der Parallelklasse. Er hatte ein Trompetenmundstück dabei. „Damit ich nicht aus der Übung komme“, sagte er und trötete jeden Tag in den Dünen. Er erzählte, dass er seit kurzem im örtlichen Posaunenchor mitspiele und dass es Spaß mache – und ich fand ihn ja sowas von doof!

Ein Schlag des Schicksals...

Ein paar Monate später gab es einen schrecklichen Unfall: Ein Auto, vollgepackt mit jungen Bläsern auf dem Weg zum Einsatz, verunglückte auf einer schmalen, kurvenreichen Landstraße. Es gab drei Todesopfer, zwei weitere wurden schwer verletzt. Der Junge aus der Parallelklasse starb an diesem Tag, er war 15 Jahre alt.

Die Kirchengemeinde, das Dorf, die Schule – alle waren im Schockzustand ob dieses schrecklichen Ereignisses. Der Posaunenchor, ohnehin nur ein kleines Grüppchen, war wortwörtlich ausgestorben.

... und ein Wink

Im nächsten Jahr begann der immer rührige Chorleiter, neue Bläserinnen und Bläser zu rekrutieren. Ich erfuhr, dass meine Freundin aus der Nachbarschaft bereits mitspielte. Und ihr Bruder auch. Und die drei Geschwister aus Nummer 3, die Straße runter. Und Martin, der oben auf dem Berg wohnt. „Kommt doch auch“, sagten sie zu mir und meinem Bruder. „Das macht Spaß! Und ihr könnt doch schon Noten lesen. Sogar Bassschlüssel!“

Für den Anfang bekam ich eine verbeulte, alte Posaune, deren Zug nicht richtig lief. Mein kleiner Bruder konnte die dicke B-Tuba kaum halten (er ist dann noch gewachsen).

Aber ich vergesse nie das Gänsehautgefühl, als wir zum ersten Mal unsere unsicheren, brüchigen Töne zusammensetzten und ein vierstimmiger Satz erklang. Daran war nichts mehr uncool, das war ziemlich klasse!

Und so bin ich dabei geblieben seit mittlerweile über 30 Jahren.

4. März 2015, von Christiane Ernst

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