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Interview mit Martin Sturm

Interview mit Martin Sturm

Interview mit Martin Sturm

Martin, was verbirgt sich hinter dem „PLUS“ in audite PLUS?

Das PLUS steht für einen neuen Programmteil in audite. Dabei handelt es sich um einen geführten E-Learning-Kurs zum Selbststudium. Neben vielen Lektionen und Lernpaketen zum Üben besteht audite PLUS neben der Software selbst aus einem gedruckten Buch, in dem das musikalische Hintergrundwissen und Herangehensweisen an das musikalische Hören vermittelt werden. Dadurch wird audite auch für Nutzer interessant, die wenig musikalisches Vorwissen mitbringen. Sie können audite nutzen, um musikalische Strukturen hörend zu erfahren und sich anzueignen. Ein Buch alleine bietet die Möglichkeit des Übens nicht, audite! allein war bisher eher ein Werkzeug für Nutzer, die bereits wussten, was sie üben wollen.

Wie kamst Du auf die Idee, ein musikalisches E-Learning zu entwickeln?

Als Nutzer von audite! wollte ich das Programm mit einem Schüler einsetzen und begann, für ihn Lehrgänge zu schreiben. Fast zeitgleich bekam ich eine Anfrage, ob ich jemandem bei der Vorbereitung für eine Aufnahmeprüfung helfen könnte. Meine erste Idee war, wieder audite!-Lehrgänge für diese Anwendung zu entwickeln, ärgerte mich aber über die doppelte Arbeit. Und ebenfalls in dieser Zeit versuchte ich mir Spanisch mit Hilfe von Lernsoftware beizubrigen (mit mäßigem Erfolg). Ich sah jedoch, dass audite! gut gebrauchen konnte, was die meiste Sprachsoftware mittlerweile bereits beherrscht: Schrittweise geführtes Vorgehen mit abwechselnden Übungsformen, Wiederholungsmöglichkeiten und Hintergrundinformationen, so dass Lernende selbständig in ihrem individuellen Tempo vorankommen können. Das war die Grundidee des E-Learning-Kurses. Diese Idee vollständig auszuarbeiten, so dass viele individuelle Lerntypen damit arbeiten können, bedeutete allerdings noch eine Menge Fleißarbeit beim Komponieren von Übungsbeispielen und Lektionen.

Wie kam der Kontakt zu capella-software zustande?

Das hat eine lange Geschichte: Mitte der Neunziger – ich war noch Gymnasiast – suchte ich ein Notensatzprogramm, das für Taschengeld erschwinglich war und landete bei capella. Bereits damals leitete ich einen Chor, für den ich eigene Arrangements und Übe-Kassetten (!) zusammenstellen wollte. Später fiel mir Dominik Hörnels Doktorarbeit (die Basis von tonica) im Rahmen eines Seminars über Musikinformatik an der Uni Karlsruhe in die Hände. Weitere Jahre später arbeitete ich zufällig in der gleichen Firma wie Dominik in München, wo wir uns dann endlich persönlich kennenlernten. So kam dann auch der Kontakt zur Firma capella-software zustande. Als (mittlerweile) Betatester für einige Programme traute ich mich schließlich, Vorschläge für neue Funktionen und Programmteile zu äußern. Die Besprechungen mit der „capella-Familie“ verliefen auf Anhieb sehr herzlich und offen. Damit war der Raum eröffnet, Ideen auch weiterzuentwickeln. Eine davon ist nun mit Hilfe von capella-software und Daniel Frey Realität geworden.

audite PLUS ist eine Kooperation von capella-software mit dem Schott Musikverlag. Wie kam es zu dieser Kooperation und wie funktionierte sie?

Als Chorleiter und Tonsetzer hatte ich bereits Kontakt zu Schott. Einige meiner Arrangements sind in Chorbüchern erschienen. Darüber hinaus gibt es die Buchreihe „Singen auf den ersten Blick“, mit dem sich Sängerinnen und Sänger selbständig das Notenlesen und Vom-Blatt-Singen beibringen können. Übrigens gibt es im capella melody-Trainer einen perfekt auf diese Bücher abgestimmten Übungskurs.

Die Idee eines medienübergreifenden Lernsystems fiel dort auf ähnlich fruchtbaren Boden wie bei capella-software und so kam es zu der Kooperation. Der Musikverlag Schott steuerte die Erfahrung in der Musikdidaktik in Buchform bei, capella-software brachte das Know-How für Musiksoftware und das bereits bestehende audite! mit. Meine Aufgabe war es, die Klammer um beide Welten zu halten und mit dem Material für den Kurs den roten Faden zu liefern, an dem sich Software und Buch ergänzen.

Musik ist nicht dein Hauptberuf…

…zumindest nicht vom finanziellen Aspekt her gesehen, vom zeitlichen manchmal schon: Ich leite einen Chor und ein Vokalensemble, unterrichte und gebe Workshops, allerdings alles nebenberuflich. In Teilzeit verdiene ich im Rechnungswesen einer Bank in Frankfurt meine Brötchen. Das entspricht auch meinem Ausbildungsgang: Von Haus aus bin ich Mathematiker.

Bleibt da noch Freizeit?

Ja und nein. Musik ist sicher meine Leidenschaft, aber mittlerweile auch Profession und nicht nur Hobby. Zum Ausgleich schwimme ich regelmäßig im Verein und schaffe mir ab und an Inseln im Alltag, die ganz dem Genuss gewidmet sind, etwa in der Oper oder bei gutem Essen.

Mit Dominik Hörnel verbindet dich noch eine Geschichte – welche?

Oh ja, 2008 haben wir gemeinsam Musik gemacht. Auf einer Informatiktagung standen wir beieinander und spannen Ideen. Neben der Verheiratung von Musik und Informatik kamen wir schnell auch auf die Kombination Cello (Dominik) und Chor (Martin). Daraus wurde dann ein Konzertprojekt, bei dem die beiden Großmeister Palestrina und Bach die Hauptfiguren waren: Bachs Suiten für Cello solo und (u.a.) eine Messe von Palestrina passten so nahtlos aneinander, dass wir in den Konzerten nicht einmal anstimmen mussten und nach einer Stunde des wechselseitigen Musizierens erst beim Applaus wieder „aufgewacht“ sind.

Chor und Cello

7. November 2016, von Christiane Ernst

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