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Jubiläen 2015 - Musiker und ihre Werke

Jubiläen 2015 - Musiker und ihre Werke

Giuseppe Verdi und Richard Wagner waren die großen Jubilare des Jahres 2013. Im letzten Jahr waren es Richard Strauss und Carl Philipp Emanuel Bach, deren Werke im Mittelpunkt des Interesses standen. Und 2015? Welcher Berühmtheit können wir in diesem Jahr gedenken?

Auf der Suche nach den Jubilaren 2015 stoßen wir nicht auf die „ganz großen“ Namen. Aber es geraten Komponisten ins Blickfeld, die sehr wohl unsere Aufmerksamkeit verdienen. Zu ihnen gehört Georg Christoph Wagenseil, geboren 1715 in Wien, an dessen 300. Geburtstag in diesem Jahr ich gerne erinnere.

Er war einer der Komponisten jener Epoche, für die die Musikgeschichte keine wirkliche treffende Bezeichnung finden kann: Vorklassik, Frühklassik, Zeit der Empfindsamkeit, galanter Stil, Sturm und Drang... Es ist eine Art Zwischenepoche, deren Komponisten nicht mehr dem Barock, aber auch noch nicht der Klassik zuzuordnen sind. In den europäischen Musikzentren entstanden Werke, die gedruckt Verbreitung fanden und für die Entwicklung des „klassischen  Wiener Stils“ bedeutend und wegbereitend waren.

Zu den wichtigsten Vertretern gehörte Georg Christoph Wagenseil. Seine Werke waren beliebt, er genoss in Wien ein hohes Ansehen (auch in Nannerls Notenbuch hat Leopold Mozart einen Satz Wagenseils aufgenommen).  Man kannte, spielte und hörte Wagenseil.

Schon früh nahm Wagenseil Unterricht beim Wiener Hofkapellmeister Johann Joseph Fux.  Dieser war es auch, der Wagenseil wärmstens dem kaiserlichen Hof empfahl: "Wenn Ihre Kayserliche Majestät jemals einen Scholaren der Komposition allergnädigst aufzunehmen beliebt, so kann ich pflichtgemäß zu diesem Supplicanten raten: Von diesem Subjekt sind sowohl im Orgelspiel wie auch in der Komposition virtuose Dienste zu erwarten."

In der Tat war Wagenseil von 1739 an in kaiserlichen Diensten, zuerst als Hofkomponist, später auch als Hofklaviermeister.

Gattungsgeschichtlich bedeutend sind die Sinfonien Wagenseils. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Opern und Kirchenmusik, widmete sich der Kammermusik und Klaviermusik. Neben dem immer noch vorherrschenden Typ der barocken Triosonate entwickelte sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts die „begleitete Klaviermusik“. „Klavier“ bezeichnete zu dieser Zeit in der Regel das Cembalo, das im Gegensatz zum Hammerklavier nicht dynamisch differenziert gespielt werden kann. Begleitende Streichinstrumente (meist nur eine Violine)  hatten vor allem klangliche und den musikalischen Ausdruck unterstützende Funktion. Diese neue Art der Kammermusik war für die weitere Entwicklung der Kammermusik mit Klavier bis in die Klassik und Romantik bedeutend.

Um 1755 wurden in London „Six sonatas for the harpsichord with accompaniment for a violin” von „Christopher Wagenseil“ veröffentlicht, eine ansprechende Musik, die es verdient, gehört und gespielt zu werden. Auf der Grundlage dieses Londoner Drucks habe ich die erste Sonate der Sammlung mit capella 7 ediert.

Charles Burney, der große Musikreisende des 18. Jahrhunderts, der uns so wertvolle Beobachtungen über das Musikleben des europäischen Kontinents hinterlassen hat, besuchte Wagenseil 1772 in Wien. Der Komponist war inzwischen von Krankheit gezeichnet, aber Burney konnte ihn bewegen, ihm vorzuspielen und attestierte ihm den Vortrag seiner Kompositionen „auf eine sehr feurige und meisterhafte Art“. Das wünsche ich Ihnen auch beim Spielen dieser Sonate von Georg Christoph Wagenseil:

Partitur

16. Juli 2015, von Bettina Schmid-Rabe