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Jubiläen 2015 - Musiker und ihre Werke

Jubiläen 2015 - Musiker und ihre Werke

„nach Mozart in der Musik jetzt das größte Genie...“

Es war Georg Albrechtsberger, der so überschwänglich über seinen Schüler Joseph Eybler schrieb. Ob Genie oder kein Genie – unbestritten gehörte Joseph Eybler zu den bedeutenden und beliebten Komponisten im Wiener Musikleben um 1800. Mozartkenner horchen bei seinem Namen auf, war Eybler doch der erste, der sich um die Vollendung des Requiems bemühte.

Mit Mozart wie auch mit Joseph Haydn war Eybler freundschaftlich verbunden. Mozart bescheinigte dem neun Jahre jüngeren Musiker, ein „gründlicher Componist“, „in der Singkunst ganz erfarn“, und zudem ein „vollkommen Orgel- und KlavierSpieller“ zu sein. Dass er auch Bratsche und Waldhorn gespielt hat, vervollständigt das Bild des „Multitalents“.

Der Werdegang

Schon im Kindesalter erhielt Joseph Eybler musikalische Förderung und eine fundierte Ausbildung, Kompositionsunterricht nahm er bei Georg Albrechtsberger. Anstellungen erhielt er in Wien als Chordirektor in der Karmeliterkirche, später im Schottenstift. Zudem bekleidete er verschiedene Ämter am Kaiserlichen Hof: Zuerst als Hof-Musiklehrer, später Vize-Hofkapellmeister neben Antonio Salieri, dessen Nachfolge als Hofkapellmeister er dann 1824 antrat.

Bei der Aufführung des Mozartschen Requiems im Jahr 1833 erlitt Eybler einen Schlaganfall, in dessen Folge er sich von der Hofmusik mehr und mehr zurückzog.

Eine Ehrung wurde ihm noch zuteil: 1835 in den Adelsstand erhoben, konnte er sich nun „Edler von Eybler“ nennen.

Nach ersten Berührungen mit dem Theaterleben – er unterstützte Mozart bei der Einstudierung seiner Cosi fan tutte und schrieb 1790 selbst eine Oper – wandte er sich vom Theater mit seinen „Unruhen, Kabalen und dergl.“ ab. Fortan schrieb er ausschließlich kirchenmusikalische und kammermusikalische Werke. Während sein doppelchöriges Requiem und andere geistliche Vokalmusik gelegentlich zu hören sind, werden die meisten seiner kammermusikalischen Werke praktisch nicht mehr aufgeführt.

Zu Unrecht in Vergessenheit geraten..

Die erste Sonate aus der Sammlung „Trois sonates faciles pour le Pianoforte et Violon obligé“, die 1808 im Druck erschienen ist, soll zum 250. Geburtstag des Komponisten ermuntern, sich Eyblers Werk wieder zu nähern. Wer die hier kürzlich vorgestellte Sonate Wagenseils kennt, bemerkt sofort in Eyblers Werk die zunehmende Bedeutung der Violine: Sie ist nun nicht mehr Begleitung, sondern für das musikalische Ganze „obligé“. Viel Freude beim Musizieren!

Partitur

5. August 2015, von Bettina Schmid-Rabe