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Jubiläen 2015 - Musiker und ihre Werke

Jubiläen 2015 - Musiker und ihre Werke

Die Zeit von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert gilt als die Blütezeit der französischen Cembalomusik. Das Zentrum der Cembalokunst war – natürlich – Paris. Dort entstanden in zahlreichen Werkstätten die Instrumente, die in den Salons virtuos zum Klingen gebracht wurden.

Erst Orgel, dann Cembalo

In die französische Metropole zog es auch Jacques Duphly, ebenfalls ein – wenn auch heute unbekannter – Meister seines Fachs. Im Jahr 1715 wurde er in Rouen geboren. Dort erhielt er eine umfassende Ausbildung zum Organisten und übernahm bereits mit 19 Jahren sein erstes Organistenamt. 1742 jedoch gab er das Orgelspiel ganz auf. Der Musikgelehrte Friedrich Marpurg berichtete, dass Duphly „den Flügel (Anm.: das Cembalo) allein spielt, um, wie er sagt, nicht seine Hand durch die Orgel zu verderben“. Die Befürchtung, dass man sich durch das Orgelspielen die mühsam erarbeitete Klaviertechnik ruinieren könnte, hat sich übrigens bis heute gehalten.

Wie auch immer – Duphly stieg schnell zu einem angesehenen Cembalisten auf, begeisterte als Virtuose und war als Cembalolehrer gefragt und hoch geschätzt. Jean-Jacques Rousseau bezeichnete ihn als „excellent maître de clavecin“.

Und Duphly komponierte. Vier „livres de pièces de clavecin“ erschienen zwischen 1744 und 1768. Stilistisch folgte Duphly den beiden großen französischen Clavecinisten Rameau und Couperin. Später jedoch zeigten seine Werke auch zunehmend frühklassische Züge.

Das dritte Buch, gedruckt 1756, enthielt auch sechs Cembalo-Stücke mit Begleitung einer Violine. Begleitete Klaviermusik erfreute sich in Paris großer Beliebtheit, und so leistete auch er seinen Beitrag dazu.

Spielen Sie Duphly…

Zwei Stücke habe ich aus dem „troisième livre de pièces de clavecin composées par M. Duphly“ für Sie ausgewählt.

Die „Ouvertüre“, das erste Stück aus dem dritten Band, ist ein Beispiel für begleitete Cembalomusik, die durch das Hinzufügen der Violine klanglich gewinnt.   

Partitur

Mit „La Forqueray“ bezog sich Duphly auf Antoine Forqueray, einen Komponisten und Gambisten am Hofe Ludwigs XIV.  Bezeichnenderweise verwendete Duphly für die Oberstimme den für die Gambe gebräuchlichen C-Schlüssel (entspricht Bratschenschlüssel), auf hohe Lagen verzichtete er ganz. Beim Übertragen in moderne Klaviernotation ist der besseren Lesbarkeit willen folglich der Wechsel von Bass- und Violinschlüssel in der rechten Hand unvermeidlich. „La Forqueray“ ist als Kettenrondo angelegt, ein gleich bleibendes „Rondeau“ wechselt mit verschiedenen „Couplets“. Das ein wenig düster anmutende Stück Cembalomusik in f-Moll verdient, dass Sie es in Ihr Repertoire aufnehmen.                    

Partitur

Am 14. Juli 1789 begann mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution. Tags darauf starb Jacques Duphly in Paris als einer der letzten Vertreter der Französischen Clavecinisten.

3. September 2015, von Bettina Schmid-Rabe