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Komponieren für jedermann

Komponieren für jedermann

 

Ich betreibe die staatlich anerkannte Musikbibliothek Musicalion.com. Sie umfasst eine Vielzahl an Partituren in elektronischen Formaten, unter anderen dem capella-Format. Die aktuelle Version capella 8 bietet inzwischen eine einfache Möglichkeit, Partituren im capella-Format zu finden und direkt in capella 8 zu bearbeiten.

Musicalion hat es mittlerweile zu einiger Bekanntheit gebracht, unter anderem auch deshalb, weil die Werke alter Meister recht gut vertreten sind. Einerseits ist dies schön, aber andererseits auch traurig. Denn wenn man die Buchbranche betrachtet, dann sind die Bestseller in der Regel nicht die alten Meisterwerke, sondern neue, zeitgemäße Bücher. Scheinbar sind Leser also neugieriger auf Neues, als es Musiker oder deren Zuhörer sind. Selbst beim bekanntesten deutschen Musikpreis „Echo“ werden nur aktuelle Interpreten geehrt, aber keine aktuellen Komponisten. Muss man denn immer schon 200 Jahre tot sein, um einmal beliebt zu werden? Ich fragte mich, was ich beitragen könnte, um diesem Missstand mit meinen Mitteln entgegenzuwirken.

Ich kam auf die Idee, einen öffentlichen Kompositionswettbewerb durchzuführen. Man kennt ja die einschlägigen Wettbewerbe, bei denen nur Jugendliche, Frauen, Balten, Blondhaarige oder andere teilnehmen dürfen. Eine Jury wertet dann im stillen Kämmerlein die Einsendungen aus und es gewinnt nur der, welcher möglichst deren Geschmack getroffen oder ganz einfach die besten Beziehungen hatte. Ansprechend klingt das aber häufig nicht. Womöglich ist das dann tatsächlich eine wegweisende Komposition für den Geschmack in 200 Jahren, aber auch für jetzt? Darum sollte es ein Wettbewerb werden, der die Stärken von Musicalion nutzt, nämlich die Öffentlichkeit und alle technischen Möglichkeiten des Internets. Stellte sich also nur die Frage, was ausgeschrieben werden soll.

Als ich eines Tages die Einspielung der Diabelli-Variationen meines letzten Klavierlehrers Michael Leslie anhörte, kam mir die Geschichte dazu in den Kopf. Anton Diabelli hatte einen seiner Walzer 50 Komponisten seiner Zeit geschickt und diese gebeten, darüber eine Variation für Klavier zu schreiben. Das war die Lösung! Ein Wettbewerb, der ein wiedererkennbares Thema vorgibt. Sie haben bestimmt auch schon einmal beobachtet, wie eine Zuschauer eines Konzertes plötzlich im Takt zu wippen beginnt und sich freut, dass er eine Sequenz wiedererkennt. Dies ist auch in unserem Wettbewerb der Effekt, der in der breiten Öffentlichkeit erzielt wird, wenn der Zuhörer das vorgegebene Thema erkennt und zuweilen freudig angetan ist, was man damit Vielfältiges hat anstellen können. 

Der Wettbewerb findet nun schon zum dritten Male statt, und er blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Bei jedem der beiden vorigen Wettbewerbe gab es über 130 Einsendungen aus aller Welt und über 100.000 Zugriffe im Internet. Schon zweimal konnten die erheblichen Kosten durch Sponsoren zusammengetragen werden. Preisgelder, Reise- und Unterbringungskosten der Komponisten, die Gage der aufführenden Musiker, Saalmiete und vieles mehr werden ja nur zu 5 Prozent mit den Eintrittskarten für das Schlusskonzert hereingeholt. An der Stelle gilt mein besonderer Dank der Carl Orff Stiftung und seinem Präsidenten, Prof. h.c. Wilfried Hiller, welcher unser Vorhaben von Anfang an mit vorangetrieben hat. 

Zum 1. September 2017 startete erneut ein Kompositionswettbewerb. Er leitet nun eine neue Ära ein, denn er wird fester Bestandteil des alljährlich stattfindenden Carl Orff Festes sein. Diesmal dreht es sich um das Thema Orpheus und Eurydike.

Die Komposition soll einen Ausschnitt aus dem Gedicht “Orpheus. Eurydike. Hermes” von Rainer Maria Rilke enthalten. Darin führt Orpheus vorausgehend seine geliebte Eurydike in Begleitung des Gottes Hermes aus der Unterwelt heraus. Das Vorhaben würde ihm jedoch nur gelingen, wenn er sich nicht nach ihr umdrehte. Andernfalls dürfte Eurydike die Unterwelt nicht mehr verlassen. Der genaue Text ist auf der Webseite ersichtlich.

Das Werk muss für Bariton Solo (alternativ Sopran Solo), Harfe (alternativ Klavier) und Rahmentrommel geschrieben sein. Die Rahmentrommel soll vom Sänger gespielt werden können. Die Dauer sollte zwischen 4 und 6 Minuten betragen. Als Quelle der Inspiration sollen Skulpturen von Antje Tesche-Mentzen dienen.

Einsendeschluss ist der 28. Februar 2018. Es werden zehn Werke nominiert, welche am 10. August 2018 im Rahmen des Carl Orff Festes in Dießen am Ammersee bei München zur Endausscheidung aufgeführt werden. Allen nominierten Komponisten werden die Reisekosten finanziert, egal woher sie kommen, sowie jeweils zwei Übernachtungen mit Begleitung vom Fleming-Hotel München gesponsert. Die drei Bestplatzierten des Finalkonzertes erhalten 5.000, 3.000 und 1.000 Euro zusätzlich.

Mehr Informationen finden Sie unter www.carl-orff-competition.com

Ich würde mich freuen, wenn Sie den Wettbewerb in Gedanken oder aktiv durch Teilnahme oder Bewertung eingelieferter Werke begleiten würden.

Ihr

Gerhard Müllritter
Musicalion.com

29. November 2017, von Dr. Dominik Hörnel

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