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Parabel in b

Parabel in b

Sicher haben Sie sich auch schon gefragt, warum eigentlich einige Instrumente anders notiert werden als sie klingen. Wer braucht das? Das ist doch ein furchtbares Durcheinander! Wie kam es wohl dazu?

Nun, die folgende Geschichte ist natürlich eine erfundene Parabel, aber sie illustriert wie es ungefähr gewesen sein könnte:

Es war einmal...

Eines Tages kam der Instrumentenbauer zu den Musikern und sagte: „Schaut mal her, ich habe ein neues Instrument erfunden. Es heißt Trompete. Hier bläst man 'rein und mit den drei Ventilen* kann man verschiedene Töne erzeugen.“

*Tatsächlich wurden Ventiltrompeten erst Jahrhunderte nach den Naturtrompeten entwickelt. Die wahre Geschichte des Trompetenbaus lesen Sie bitte an anderer Stelle nach, z.B. bei Wikipedia.

„Das Instrument ist in C gestimmt, d.h. ohne Ventile spielt ihr eine Naturtonreihe auf C. Die anderen Töne gehen so:

C=0, D=1/3, E=1/2, F=1, G=0, A=1/2, H=2, C'=0

„Alles klar“, sagten die Musiker und begannen mit dem neuen Instrument zu üben. Nach ein paar Wochen sprachen sie zum Instrumentenbauer: „Die Trompete ist ja ganz schön, aber wir würden gern noch ein paar tiefere Töne damit spielen können.“ - „Kein Problem“, erwiderte der Instrumentenbauer und brachte ihnen wenig später eine neue Trompete, gestimmt in B. Er erklärte: „Diese Trompete ist etwas tiefer. Ohne Ventile spielt ihr eine Naturtonreihe auf B. Die anderen Töne gehen so:

B=0, C=1/3, D=1/2, Es=1, F=0, G=1/2, A=2, B'=0

„Oh nein“, jammerten da die Musiker, „alle Töne werden anders gegriffen, wir müssen alles neu lernen!“ Und um sich das zu ersparen, verfielen sie auf einen Trick: Statt alle Griffe neu zu lernen, änderten sie einfach ihre Noten, transponierten sie um einen Ganzton nach oben und konnten so bei ihrer gewohnten Griffweise bleiben.

Am Anfang war es Bequemlichkeit

Ebenso machten sie es, als der Instrumentenbauer ihnen noch eine Trompete in D – für die höheren Töne - anbot: Nun wurde einfach auf dem Papier ein Ganzton nach unten transponiert, alle Griffe blieben gleich. So konnten sie leicht zwischen den verschiedenen Trompeten wechseln.

Als dann aber der Instrumentenbauer wieder einmal vorbeikam, um ein neues Instrument zu präsentieren, schickten sie ihn weg. „Geh nach Hause“, sprachen sie, „und bau uns mehr Trompeten in B. Die B-Trompeten sind die besten. Wir werden nur noch B-Trompeten spielen.“

Und so spielten sie immer weiter auf den B-Trompeten, allerdings ohne je wieder ihre Notation zu ändern. Und sie lehrten auch alle ihre Schüler, so zu spielen. Und darum spielen bis heute die Trompeter in B, d.h. man muss ihnen die „falschen“ Noten auf's Pult stellen, damit sie die richtigen Töne spielen. Will man von ihnen ein B hören, muss man ein C schreiben, für ein C steht ein D usw..

Natürlich könnte man die Geschichte auch mit Klarinetten erzählen oder den daraus entwickelten Saxophonen. Die Flöten in C und F teilen ein ähnliches Schicksal.

Allerdings ist es nicht zwingend, dass Instrumente ihrer Stimmung entsprechend notiert werden: Posaunen sind B-Instrumente (wenige in Es), aber sie werden in Deutschland üblicherweise klingend notiert. Ab und zu sieht man eine Stimme im Tenorschlüssel, und auch das ist eine klingende Notation. Aber auch hier gibt es regionale und stilistische Unterschiede: In der Schweiz werden in der traditionellen Blasmusik die Posaunen in B notiert und im Violinschlüssel! O je!

Und darum brauchen so viele Bläser capella: Ständig müssen irgendwelche Noten geändert, transkribiert, transponiert werden, denn „im Kopf“ können das nur die wenigsten...

18. Februar 2015, von Christiane Ernst

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