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Variation in c

Variation in c

...und im Posaunenchor?

Dies ist keine Parabel, sondern nahe an der historischen Wahrheit: Johannes Kuhlo (1856-1941), Pastor, gilt, zusammen mit seinem Vater Eduard Kuhlo, als der „Vater“ der Posaunenchöre. Sein erklärtes Ziel war es, die jungen Männer (nur die Männer!) von der Straße zu holen, von Alkohol und schlechten Einflüssen fern zu halten und ihnen eine sinnvolle, christliche Freizeitbeschäftigung zu geben. So gründete er die so genannten „Posaunenchöre“, obwohl er darin nicht nur Posaunisten, sondern alle Blechbläser anlernte.

Warum spielen die Trompeten im Posaunenchor in c, also klingend?

Weil es Kuhlos Meinung nach keine geeignete christliche Noten-Literatur für Bläser gab, griff er auf die Gesangbücher des Kirchenchors zurück und ließ seine Bläser die 4-stimmigen Choräle der Sänger spielen – gern auch die Bach-Sätze. Zu diesem Zweck lehrte er die Trompeten von Anfang an, klingend zu spielen. Das hatte den für Kuhlo angenehmen und durchaus nicht unerwünschten Nebeneffekt, dass seine Bläser nicht in eine weltliche Blaskapelle abwandern konnten, denn dort spielten die Trompeten in B.

Lebendige Tradition

Bis auf den heutigen Tag werden Trompeten im Posaunenchor klingend notiert. Wer als Trompete hier wie dort mitspielen will, muss „zweisprachig“ sein – oder seine Noten mit capella transponieren.

Kuhlo mag heute mit seinen theologischen und politischen Ansichten stark umstritten und nicht mehr auf der Höhe der Zeit sein; seine Idee vom Posaunenchor aber hat überlebt, einige Evolutionen durchlaufen (u.a. gibt es nun auch Frauen und Mädchen in den Chören) und ist heute sehr lebendig in der evangelischen Kirche. Ein paar Zahlen: In unserer Landeskirche von Kurhessen Waldeck, die ca. 1 Mio. Mitglieder in 894 Gemeinden hat, gibt es ca. 4.500 aktive Bläserinnen und Bläser in 281 Chören. Einige Quellen nennen über 250.000 (andere etwa halb so viele) aktive Bläserinnen und Bläser in kirchlichen Chören in Deutschland. Ich berichte nicht ohne Stolz, selbst seit über 30 Jahren dabei zu sein. Nicht Trompete, sondern Posaune.

26. Februar 2015, von Christiane Ernst

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